Dahoam Gesellschaft

„The same procedure as every year…“

So. Nach dem durchaus positiv gemeinten Beitrag muss ich jetzt einfach mal wieder den Spielverderber spielen – und das natürlich am heutigen Tag.

Hey, ihr da draußen. Wir alle da draußen! Wir können das doch besser, nicht?
Gemeint sind die zahlreichen Posts drüben bei Facebook seit den frühen Morgenstunden (und noch viel früher). Eine ‚Fröhliche Weihnachten‘-Message jagt die andere; mal dezent gehalten, mal untermalt mit einem Bild (das mal so kurz – und ohne Quellenangabe – überall verteilt und geteilt wird), mal wirklich kreativ und aus der eigenen kreativen Werkstatt und mal einfach schlichtweg daneben. Als wäre es regelrecht ein Wettbewerb, an dessen Ende man noch einen Preis gewinnen würde. Hauptsache, das Haifisch-Becken wird damit bedient. Und Hauptsache man schwimmt mit. Denn jeder tut es. Also kann das ja nicht so schlecht sein.

Wie auch immer. Es ist ja nichts Neues. Und jedes Jahr dasselbe. Auch wenn mich diese Sache gewaltig stört, so sage ich mir – einmal mehr – Leben und Leben lassen. Denn; an den meisten Posts erkennt man schlagartig, ob sie wahrhaftig ernst gemeint sind oder ob sie einem Mainstream folgen. So ist das. Und nicht anders.

Das absolute und wiederkehrende Highlight gestaltet sich dann aber (nicht nur an diesem Tag, auch wenn das neue Jahr erst ein paar Minuten alt ist), wenn du in deinem Messenger des Vertrauens (allen voran wohl WhatsApp) Nachrichten bekommst, die dir ebenso ein frohe Fest oder Jahreswechsel wünschen, verbunden mit den besten (Glück-) Wünschen und meist noch untermauert mit irgendwelchen Zitaten, die du doch erst vor ein paar Minuten drüben bei Facebook und Co. zur Kenntnis nehmen durftest. Du lieber Himmel…

Immerhin. Mein Respekt gebührt all denen, die vor dem Absenden ihrer ‚Copy&Paste‘-Nachricht sich zumindest noch die Zeit genommen haben, die Anrede zu personalisieren (oder gibt es dafür auch bereits eine App?) – kein leichtes Unterfangen, wenn man bei WhatsApp und Co. mehr als 500 Personen zu bedienen hat. Aber auch da will mir der Sinn und Zweck solcher Nachrichten nicht erschliessen. Dass man nun nicht alle (Absender) in den gleichen Topf werfen kann – und sollte – ist auch mir (inzwischen) klar geworden. Du hinterfragst dann aber (hoffentlich!) schon beim einen und anderen, warum du jetzt plötzlich in seinem Merchandising-Topf auftauchst; denn das ganze Jahr hinweg hast du von dieser Person keine Botschaft erhalten (ob analog oder digital) oder aber der einst (innige) Kontakt ist während des Jahres vom Erdboden verschwunden, aus welchen Gründen auch immer. Oder, machen wir uns nichts vor, dir wurde in den letzten Wochen oder Monaten unmissverständlich mitgeteilt, dass du als Mensch (und beim besagten Absender) nicht mehr erwünscht bist. Dass du nun trotzdem als Empfänger dieser Massen-Messages berücksichtigt wirst, lässt so manche Frage offen. Oder auch nicht.

Um was geht es all diesen Absendern? Einzig und allein um die Quote der Rückläufe auf ihre Nachrichten? Sage meinen Dank hier, und ja, ‚das wünsche ich euch auch’…? Ja, ich glaube schon. Verbunden mit ihrem Wunsch (oder der Gier), allesamt und auf einen Punkt ‚beliefern‘ zu können, die ‚Kirche im Dorf zu lassen‘ und am Ende des Tages (Jahres) es mit allen ‚Gut‘ haben zu wollen. Was nach diesen Tagen folgt, interessiert keinen mehr.

Ach, Kiddies. Könnt ihr nicht wenigstens einmal im Jahr zur Wahrheit stehen, zu euch selbst stehen? Nichts vorzuspielen und mal Sein als Schein? Könnt ihr einmal dem Mainstream tatsächlich entkommen und diese Tage so feiern und vergehen lassen, wie ihr euch das wirklich wünscht?

Nun. Hauptsache die Erfolgsquote stimmt, der Rücklauf stimmt. Denn das ist das einzige, was bei diesen Menschen heutzutage noch zählt – die digitalisierte Wahrnehmung. Gefangen in einem Hamsterrad, das sich auch heute dreht und 2018 drehen wird.

„The same procedure as every year…“

(Bild/Logo: via WhatsAppBrand.com)

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