Dahoam Kunterbunt

Leben ist…

Vor etwas mehr als einem Jahr, genauer gesagt am 27. November 2016, wurde mir dieses Zitat in Form einer Karte überreicht – wo auch immer mich gerade befinde, was auch immer ich gerade tue, es begleitet mich stets auf meiner Achterbahn des Lebens.

Damals hatte ich keine Pläne mehr, keine Erwartungen oder den Wunsch, im kommenden Jahr hier oder da zu stehen, das eine oder andere zu erreichen. Ob im Beruf oder privaten Umfeld. Das mag jetzt – vielleicht – ziemlich frustrierend klingen (sagt man doch, der Mensch braucht stets Pläne, um sich selbst verwirklichen zu können und zufrieden zu sein), doch war es das für mich absolut nicht. Doch die Sinnhaftigkeit, die in diesem Zitat steckt, erschloss sich mir schon an diesem Abend – schließlich bekam ich diese Karte nicht von irgendwem, sondern von meinem Menschen, der genau wusste, wie es um ich stand, was war und wohin die Reise vielleicht gehen könnte oder sogar muss. Lebe nicht in der Vergangenheit sondern konzentriere jeden Tag aufs Neue auf dich selbst und all diejenigen, die dir ans Herz gewachsen sind. So könnte es man – schätze ich – auch formulieren. Darüber hinaus der Wink mit dem Zaunpfahl, Gutes selbst zuzulassen, sein eigener Herr und Meister sein und nicht mehr zu viel zu spekulieren, also darüber nachzudenken über das ‚warum‘ oder ‚wieso‘. Denn die Welt hat stets andere Pläne für dich vorgesehen, und meistens dann, wenn du dir alles irgendwie anders vorgestellt und geplant hast.

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen“. Dieses Zitat stammt übrigens aus dem Lied ‚Beautiful Boy‘ (Darling Boy), geschrieben von John Lennon. Veröffentlicht wurde es als 7. Lied auf der Lennon-Platte „Double Fantasy“, die am 17. November 1980 erschien – das nur so nebenbei.

Heute, ein Jahr später, könnte man annehmen, man wäre (nicht zuletzt aufgrund dieses Zitats) eben nicht nur älter geworden, sondern eben auch weiser. Älter ja, weiser? Nein. Ich glaube, Weisheit erlangt man schlußendlich nicht mit zunehmenden Alter, sondern man erlangt sie an Erlebten, ob dies nun mit 15, 23 oder 43 Jahren geschieht. Und in den allermeisten Fällen ist es dann – leider so, dass wir erst dann klüger werden und somit weitere Weisheit erlangen, wenn wir ein weiteres Tal von Dunklen Momenten durchschritten haben und am Ende dieses Tals rückblickend feststellen können (ja müssen), es wäre genug Zeit gewesen, es besser und anders zu machen. Meistens braucht es dann noch einen weiteren Menschen im Leben, der mit Nachruck darauf hinweist und uns am Ende des Pfades den Spiegel vor das Gesicht hält. Sage meinen Dank! Für wahr, es sind nicht die schönen und perfekten Zeiten, die uns mehr Weisheit vermitteln.

Vor mehr als einem Jahr schrieb ich diesen Beitrag (https://niggli.me/2016-there-was-a-time/) Daran hat sich, wie mir scheint, eigentlich nicht viel verändert. Außer eben die Erkenntnis, dass dieses Zitat vielleicht am allermeisten auf unser Leben zutrifft. Und man es nicht nur in theoretischer Hinsicht betrachten, sondern es auch in die Praxis umsetzen sollte. Noch ist Zeit dafür, wie mir scheint. Oder aber, das Leben ist eben das, was passiert, während du dabei bist, eifrig Pläne zu schmieden…

Doch vergessen wir eines dabei nicht; in vielerlei Hinsicht ist es das Leben, das unsere Pläne durchkreuzt. Ohne zutun und einfach so. Aber in ganz vielen Dingen, die unser tägliches Leben bestimmen und somit auch unsere Pläne, sind wir es selbst, die das Ruder in der Hand halten. Dessen sind wir uns zuwenig bewusst. Ich jedenfalls nicht mehr. Durch unser Tun oder (Nicht-) Handeln bestimmen wir jeden Tag selbst, wohin die Reise führen könnte. Oder was wir uns am sehnlichsten wünschen. Das Leben ist der abwärtsfliessende Fluss, mit ganz vielen Strömungen, auf dem wir uns mit einem Boot befinden. Am Ende ist der Wasserfall, der uns ins nichts stößt und alldem ein Ende macht. Wir können geradewegs mit unserem Boot Richtung Wasserfall zusteuern, in hohem Tempo, und nichts tun, oder aber wir nehmen die Ruder selbst in die Hand, steuern einmal nach links, nach rechts, versuchen das Tempo zu mäßigen und somit der Zeit ein Schnäppchen zu schlagen.

Es ist bereits vier Jahre her, als ich dem Teufel ab seinem Karren gefallen bin. Mir ist immer noch schleierhaft, wie das passieren konnte. Vier Jahre mehr auf dem Konto, obwohl Experten meinten, dass das nicht der Fall sein wird. Und doch, irgendwie habe ich es geschafft, ich bin im hier und jetzt und ich schreibe auch noch diese Zeilen. Und es war ja nicht so, als hätte mich der Teufel in all dieser Zeit ein weiteres Mal heimgesucht und versucht, mich ‚nach Hause‘ zu holen. Viele Menschen waren daran beteiligt, ihm dabei einen zukünftigen Strich durch die Rechnung zu machen. Alleine konnte ich das nicht bewerkstelligen. So fragt man (ich!) mich stets, warum das so war und ist. Dafür gibt es sehr wohl Gründe. Einerseits meine Kinder, aber andererseits auch derjenige Mensch, der mir vor einem Jahr dieses Zitat (Karte) überreicht hat. Es war mehr als nur ein freundschaftlicher Dienst vielleicht, sondern die wahre Erkenntnis darüber, wer ich war, bin und vielleicht (wieder) sein könnte.

So bleibt zu hoffen, dass es auch im Jahr 2018 noch nicht das Ende der Fahnenstange sein wird. Mit allem drum und dran, so wie das Leben eben spielt. Ich habe mich daran gewöhnt und angepasst. Manchmal verliert man (viel), manchmal ist es einem gegönnt, als Erster über die Ziellinie zu laufen. Doch egal, wie sich alles weiterentwickelt; man möge dieses Zitat immer vor Augen halten.

In diesem Sinne; euch allen eine besinnliche, ruhige und glückliche Adventszeit.
Weiter gehts. Immer weiter. Mit allen Ecken und Kanten, die einem in die Wiege gelegt wurden…

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