Dahoam

GAME.OVER.

Wer denkt das Schreiben sei einfach, der täuscht sich gewaltig. Dabei geht es in erster Linie nicht um die Grammatik, eine verständliche Wortwahl oder die Satzstellung. Es ist knochenharte Arbeit, insbesondere dann, wenn man es aus tiefstem Herzen und Überzeugung der Leserschaft mitteilen möchte. Doch ist die Arbeit einmal beendet, nach schlaflosen Nächten, zig Schreibblockaden und Korrekturen, dann vergisst man auf einen Schlag, was vorher war; knochenharte Arbeit und Auseinandersetzungen mit sich selbst. Ein wohliges und befriedigendes Gefühl umgibt den Schreiberling in diesem Augenblick. Das hört sich jetzt so ziemlich abgefahren und nach eigenem Schulterklopfen an, doch kann ich es nicht anders – besser – umschreiben. Und so war das Schreiben für mich stets auch so eine Art Therapie. Also schrieb ich.

Das Lesen und das Schreiben gehören für mich nach wie vor zu den – vielleicht – elementarsten und wichtigsten Eigenschaften, die uns mit auf den Weg gegeben werden (leider gilt das nach wie vor nicht für alle auf dieser Welt). Denn nur über das Lesen erlangen wir das Wissen um unsere Welt, andere Welten und schlußendlich über uns selbst. Dabei spielt es nicht einmal eine so große Rolle, was wir lesen. Wichtig ist, dass wir lesen. Und ich bin ja immer noch der festen Überzeugung, dass wir in Romanen (in der Regel erfundene Geschichten, jedenfalls auf den ersten Blick…) mit all den darin enthaltenen und zauberhaften Geschichten mehr an Weisheit und Klugheit erreichen, als vielleicht mit einem Sachbuch oder der letzten (Tages-) Zeitung.
Und das Schreiben? Für wahr. Man sollte viel mehr schreiben. Jeder sollte mehr schreiben. Es spielt dabei keine Rolle, wie viele Rechtschreibfehler man dabei macht. Ebenso spielt es keine Rolle, über was man schreibt. Setzt dich also hin, nimm ein Blatt Papier oder schalte deinen Computer an – und schreibe drauf los. Für dich selbst. Alles, was dich interessiert, alles was dich belastet und alles, was für die Nachwelt von Wichtigkeit sein könnte (aus deiner persönlichen Sicht, versteht sich). Es muss ja, wie in meinem Fall, nicht immer gleich die ganze Welt erfahren. Seit meinem 16. Lebensjahr führe ich ein Tagebuch. Im Laufe der Zeit sind es nun schon mehrere Bände geworden. Noch heute schreibe ich darin – übrigens immer noch analog. Das kann ich jedem nur bestens empfehlen.

Aber, bevor ich nun weiter abdrifte (das war schon immer so ein Tick von mir und wurde mir stets vorgeworfen, beginnend bereits in der Grundschule), kommen wir nun zur eigentlichen Botschaft dieses Beitrags.

1999 ging ich das erste Mal mit einer eigenen Webseite online. Sage meinen Dank an Roger, wo immer du auch bist, ohne dich hätte ich das bestimmt nicht geschafft. Wie es damals so war, drehte sich der Inhalt der Webseite einzig und allein um die Familie und sich selbst. Hier mal ein Foto hochladen, da mal was kurz dazu schreiben. Mehr nicht. Aber es gefiel mir.

Mit der Zeit wollte ich mehr. Ich sah all die Webseiten (Blogger, ein Begriff zu jener Zeit noch völlig unbekannt), die sich tagtäglich um ein bestimmtes Thema kümmerten. Mehr oder weniger Wissen vermittelten, sich über Dinge freuten, über andere nicht. Ihre eigene Meinung dazu online stellten und damit auch eine große Anzahl an Leserschaft erfreuten. Das wollte ich auch. So entstand dann über mehrere Jahre hinweg das ApfelTheater – alles drehte sich hier um den wohl berühmtesten Apfel der Welt: Apple. Auch hier bin ich vielen und treuen Weggefährten dankbar, dass wir gemeinsam dieses Baby zur Welt gebracht haben (auch Männer können ab und an Babys zur Welt bringen…). Insbesondere auch Werner, der ebenso nicht mehr unter uns weilt. Die ganz große Nummer (insbesondere in der Schweiz) war es zwar nicht, war es nie. Doch wir hatten stets unsere ‚Stammkunden‘ und ein reger Austausch in den Kommentarspalten. Es war eine geile Zeit. Verbunden aber auch mit viel Leid und Kummer, was meine eigene Gesundheit anbelangt hat. Ganz zu schweigen von all den technischen Herausforderungen, die uns damals (und beinahe täglich) begleitet haben.
Ich glaube, alles in allem waren es knapp fünf Jahre, in denen wir täglich über den Apfel berichtet haben. Dann habe ich mich dazu entschlossen, es einfach und von heute auf morgen aufzugeben. Die eigene ‚Deadline‘ war nicht nur erreicht, sondern bereits überschritten.

Doch, wie es eben so ist, wenn man mit dem Teufel einen Pakt schließt, dauert es meist nicht lange, und es zuckt wieder in meinen Fingern – es brennt so furchtbar. Bis dato waren auch die zahlreichen Webtools und CMS besser geworden – und es standen alle Türen und Toren offen. Social Media Netzwerke hatten das Licht der Welt erblickt; da musste ich doch einfach mitspielen!

Es folgten kleinere Projekte mit eigenen Webseiten, die ich mir selbst zusammengeklöppelt habe. Interessant für mich damals war, dass es mir wichtiger war, wie sich meine eigene Webseite in optischer Hinsicht präsentierte, weniger was ich darin für Inhalte platzierte. So wechselte ich bestimmt alle drei bis vier Monate mein Webseiten-Layout, also immer wieder ein anderes Kleid, das ich mir überzog. Vielleicht wie im richtigen Leben.

Mit der Zeit fand ich aber zurück zum Schreiben. Mich kund tun zu können über Dinge, die mich interessierten. Egal, um was es sich dabei gehandelt hat. So war mit das Layout meiner Webseite nicht mehr so ganz wichtig; die Inhalte schon. So schrieb ich darauf los, ein Wort nach dem anderen.

Wenn ich jetzt zurückblicke, was mein ‚Blogger‘-Leben anbelangt, so gab es durchaus diese Zeit (und ich müsste lügen, wenn es nicht so wäre), da waren mir die täglichen Klick-Zahlen und Webseiten-Analysen wichtiger als alles andere. Es war auch jene Zeit, in der ich versucht war, mir ein zweites Standbein aufzubauen und mit der Webseite Geld zu verdienen – ihr kennt das. Werbung hier. Werbung da. Sponsoring hier, Sponsoring da. Doch ich widerstand all diesen Dingen; ebenso was die eigenen und finanziellen Investitionen anbelangt, um irgendwo im Nirgendwo im (Google-) Ranking noch besser dazustehen und wahrgenommen zu werden. Darauf bin ich noch heute stolz. Ja, wirklich! Immerhin wurden mir damals, als es um das ApfelTheater ging, ein kleines aber feines Sümmchen an Geld angeboten, um meine Webseite übernehmen zu können. Mit einem Schlag hätte ich gut und gerne die nächsten zwei Jahre meine Steuerrechnungen begleichen können. Auch da habe ich ausgeschlagen.

Das vielleicht Schönste am Blogger-Leben? Heute weiß ich es. Du bekommst Feedbacks auf deine Beiträge. Weniger in den Kommentar-Spalten, mehr aber (jedenfalls bei mir) mittels dem eingepflanzten Kontaktformular, direkt via Email oder du wirst sogar auf der Straße darauf angesprochen. Du kommst mit Menschen in Kontakt, die sich deine Beiträge (tatsächlich!) durchgelesen haben, die sich damit identifizieren können oder auch nicht. Kritik immer herzlich willkommen. Aber so entstand stets ein Austausch zwischen Menschen. Und in einigen Fällen Freundschaften, wenn (leider) auch nur digital bis heute. Aber, um nicht zu vergessen, auch die treue Leserschaft, die immer und stetig diese – meine – literarischen Ergüsse zur Kenntnis nahm. Und mir die Treue hielten. Sage meinen Dank. Groß!

2016 habe ich einen Menschen kennen und lieben gelernt. Ein Mensch, dem ich viel zu verdanken habe. In jeder Hinsicht. Vielleicht alles, was mir je lieb und treu war. Dieser Mensch war (ist?) auch wohl der grösste Kritiker, was meine Arbeit – oder mein Dasein im Allgemeinen – anbelangt. Obwohl das mit der Kritik eben nicht so einfach ist, habe ich gelernt, damit umzugehen und wirklich zu verstehen, worum es bei Kritik eben geht. Kritik sollte man stets ernst nehmen – und niemals beiseite schieben. Man sollte sich damit auseinandersetzen, egal wie hart diese Kritik auch ausfallen mag (aber das ist eine andere Geschichte…). Was ich nun insbesondere mitnehme von diesem Menschen ist, Prioritäten zu setzen. Insbesondere im Hinblick darauf, dass wir alle tatsächlich nicht unsterblich sind. Dieser Mensch war und ist wohl schon immer sehr nüchtern gewesen, sachlich; und hat Entscheidungen mehr dem Verstand überlassen als dem Herzen. Ich gestehe, an Verstand hat es mir schon immer gefehlt. Ich war und bin ein Mensch, der stets und schnell aus dem Herzen entscheidet. Das hat mich zwar in all diesen Jahren mehr als einmal in die Bredouille gebracht, doch bin ich noch heute (und darüber hinaus) der festen Überzeugung, dass immer mit dem Herzen entschieden werden sollte, und weniger mit dem Verstand. Auch wenn man zuvor schon über zahlreiche Dinge und Lebenssituationen seine Erfahrungen gemacht hat; man sollte es immer und immer wieder versuchen und das Herz nie beiseite lassen. Doch was nun das priorisieren von Dingen und Lebenssituationen anbelangt, so gebe ich diesem Menschen durchaus recht. Oder zumindest versuche ich jetzt, diesen Weg zu gehen. Also setze ich im hier und jetzt Prioritäten, gerade im Hinblick auf die nächsten Monate.

Neuesten Schätzungen und Zahlen zufolge gibt es alleine in Deutschland um die 370.000 Blogger. Das ist nur die Spitze des Eisberges, wie mir scheint. Es dürften wohl viel mehr sein. Und das ist auch gut so. Auch wenn ganz viele davon sich das Bloggen im wahrsten Sinne zum Lebensinhalt und somit finanziellen Verdienst gemacht haben, gibt es da draußen noch all die anderen, die sich ebenso dem Schreiben und somit den Geschichten verschrieben haben; knochenharte Arbeit und von ganzem Herzen. All ihnen gehört mein aufrichtiger Dank und mein größter Respekt. Denn ich glaube, all ihnen gehört auch die Zukunft der wahren und unabhängigen Berichterstattung.

So beende ich nun selbst, was vielleicht schon längstens hätte beendet werden sollen. Weil ich es will, weil ich es kann. Die einen haben meine Beiträge gefreut (ja vielleicht sogar geliebt), viele andere nicht. Es wurden daraus (persönliche) Rückschlüsse gezogen oder auch nicht. Doch was am Ende zählt, ist eben die Geschichte und niemals der Erzähler.

Sage euch allen meinen Dank. Groß!

„Mein letzter Einsatz liegt auf dem Tisch. Ich habe mich für die Farbe Schwarz entschieden. ‚Rien ne va plus‘, nichts geht mehr. Der Einsatz ist getan. Die Kugel rollt. Und ich weiß, ich werde verlieren. Aber das ist gut so.“

Die Kugel rollt. Und während sie noch rollt, bin ich nach wie vor dieser festen Überzeugung; ein Zitat von Steve Jobs, das mich Zeit meines Lebens gefesselt und nicht mehr verlassen hat:

„An alle, die anders denken!…
… Denn die, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern,
sind die, die es tun.“

Ich hoffe, ich war verrückt genug…

Nic Niggli

2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Hallo lieber Nic. Danke für alle deine tollen Beiträge von dir. Hier auf dem Blog aber auch beim ApfelTheater. Ich freute mich immer von dir zu lesen und werde dies auch in Zukunft tun, drüben bei Facebook 🙂 Du warst unter anderem ein Grund warum ich 2011 begann zu bloggen. Danke für die Inspiration die ich bis heite habe. Schreiben gehört auch zu meinem Leben.

    Leider hat es bis heute noch nie geklappt dich Mal zu treffen. Aber sag niemals nie 😉

    Ich wünsche dir alles alles gute und nochmals Danke für deine Beiträge!

    Grüsse aus Bern

    Marc Weltpilot Dänzer

  2. Lieber Marc, ich danke dir von ganzem Herzen für deine Zeilen – und wenn ich tatsächlich dazu beigetragen habe, dass du diesen digitalen (Blog-) Weg gegangen bist, dann macht mich das umso mehr stolz. Ich verfolge dich seit deinen ersten (Blog-) Schritten regelmäßig, auch wenn das vielleicht nicht offensichtlich war und ist – und es tut gut und ist schön, das alles bei dir wachsen zu sehen. Bleib am Ball, bleib so wie du bist; denn dir gehört die (digitale) Zukunft!

    Alles Gute, Nic

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