Dahoam Phänomedial

Menschen kommen und gehen – Sepp Haselsteiner bleibt

Eigentlich wollte ich mir eine Verschnaufpause gönnen und in diesem – bald zu Ende gehenden – Jahr keinen weiteren literarischen Erguss mehr präsentieren. Doch S’is wia’s is mit mir; es zuckt dann doch wieder in meinen Fingern und mein imaginärer (aber treuer!) Freund – nennen wir ihn Schreiberling – schreit zu jeder Tages- und Nachtzeit förmlich danach, über das zu schreiben, was mich gerade brennend interessiert, mich nicht mehr loslässt und von dem ich überzeugt bin, dass es mein Herz für immer berührt hat. Das mag jetzt so ziemlich nostalgisch und irgendwie auch abgefahren klingen, doch ist es so. War es schon immer. Insbesondere auch dann, wenn es Menschen betrifft.

Nun, es wird mir ja – das übrigens in regelmäßigen Abständen – immer wieder vorgeworfen, ich würde stets nur das Schlechte überall sehen und entsprechend darüber berichten (schreiben); darüber hinaus sehr emotional und ab und an nicht bis zu Ende gedacht, wo ich mit meinen Wörtern überall anstossen könnte und – vielleicht – auch irreparablen Schaden hinterlasse. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Kind der Dunklen Seite sozusagen. Das mag wohl so sein. Oder auch nicht. Mit dieser Reputation, zumindest hier in der digitalen Welt, habe ich mich abgefunden und arrangiert. Doch ich glaube nach wie vor, dass es ehrlicher und wichtiger ist, Emotionen freien lauf zu lassen, als darüber in künstlerischer Art und Weise hinwegzusehen oder gar ganz zu schweigen.

Dass ich aber durchaus auch anders kann, mit positiven Geschichten und Gedankengängen aufwarten zu können, soll dieser Beitrag beweisen. Aber genug Intro, schließlich geht es hier nicht um ich, sondern um einen Menschen, den ich erst heute und unter vier Augen etwas näher kennenlernen durfte, von dem ich jedoch der Überzeugung bin, ihn eigentlich schon seit vielen Jahren zu kennen – irgendwie. Sein Name ist Sepp Haselsteiner.

…es war einmal, vor nicht allzu langer Zeit, an einer Weihnachtsfeier. Sepp Haselsteiner traf auch ein vor Ort – und zu meiner Schande, ich geb’s ja zu, konnte ich ihn nicht einordnen – sollte man ihn denn kennen? Offenbar schon, denn alle anderen Anwesenden kannten ihn offensichtlich ganz gut; kräftiges Händeschütteln da, tapferes Schulterklopfen hier. Da ich eher dafür bekannt bin, nicht jedem ‚Fremdling‘ gleich um den Hals zu fallen und so zu tun, als würde man sich schon seit Jahren kennen (so ganz nach dem Motto: wir sind ja beste Freunde!), hielt ich mich erst einmal zurück – und beobachtete. Doch eines kann ich euch sagen: Der Typ hatte Charisma.

Angekommen im Speisesaal und bei den Plätzen, packte Sepp seine Gitarre aus und suchte sich seinen Platz. Selbst ohne höheres Studium war mir jetzt zumindest klar geworden; dieser Mann sorgt heute Abend für die musikalische Ausgestaltung. Mein Freund und Tischnachbar hatte an diesem Abend wohl Mitleid mit mir, also klärte er mich kurzerhand mal so richtig auf: Sepp Haselsteiner – die Band ‚Zitronenfalter‘ (da ging mir leider immer noch kein Licht auf) oder eben dann die Band ‚MARYLAND‘. Jetzt erst klingelte es bei mir – aber natürlich! Da war doch was, als ich das erste Mal im Jahr 2005 das Passauer Land betrat – und es darüber hinaus weiter in den Bayerischen Wald verschlug.

Und so wartete ich gespannt auf seinen Auftritt, ganz ohne Strom und zusätzlichem Zeugs, ganz Mensch und mit vollem Herzblut. Das war es dann auch für uns alle im Saal. Für mich aber noch viel mehr. Denn seine Musik, seine Texte und sein Charisma haben mich vollumfänglich in den Bann gezogen. Alles um mich rundherum verlor seine Wirklichkeit und Wichtigkeit. Da war ein Mensch, der mit seiner Musik und seinem Sein mein Herz berührt hat.

Leider musste ich mich dann früher verabschieden, und damit hatte ich auch keine Zeit mehr, mich bei Sepp zu bedanken und das vertiefte Gespräch zu suchen.
Doch kaum zu Hause angekommen, googelte ich gleich mal eifrig darauf los – und würde fündig. Nicht zuletzt auf Sepp’s offiziellen Homepage www.sepp-haselsteiner.de. Ebenso schön zu sehen, dass auch drüben bei Facebook ein (persönlicher) Account besteht. Also gleich mal eine Freundschaftsanfrage gestartet, die dann prompt angenommen wurde – auch das, zumindest aus meiner Sicht, nicht einfach so selbstverständlich.

Mit „Si’s, wia’s is“ hat nun Sepp Haselsteiner in diesem Jahr vielleicht sein ganz persönlichstes und intimstes Werk veröffentlicht; eine Doppel-CD bestehend aus einem Hörbuch (Geschichten, ich liebe Geschichten!) mit Musik und eine weitere Scheibe mit ’nur‘ Musik. Alles bestückt mit einem lustig-ironisch und witzig-launischen Programm, von der Musik bis hin zu den Geschichten. Doch alles versehen mit ganz viel Wahrheit über uns Menschen und somit unser Leben; direkt, unverblümt und zum Nachdenken verdammt.

Dass nun diese Doppel-CD nicht bei iTunes, Amazon oder anderswo zum Download verfügbar ist, erstaunt mich eigentlich auch nicht nicht – selbst mir nicht als digital ‚gebranntes‘ Kind. Denn hier und somit bei Sepp Haselsteiner geht es mehr als nur um die schnelle und kommerzielle Welle. Vergleichbar wie mit meinem Traum, endlich und irgendwann meinen Roman in analoger Form (so richtig Buch!) veröffentlichten zu können – immer noch ein Kampf gegen Windmühlen, aber das ist eine andere Geschichte (Fortsetzung folgt!). Untermauert werden diese analogen Überlegungen zudem, wenn man sich mit Sepp Haselsteiner persönlich unterhalten kann. Das war übrigens heute der Fall – und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Gestern Abend habe ich ihm drüben bei Facebook eine Message geschrieben, wo genau und wie ich denn zu dieser Doppel-CD kommen könnte? Und siehe da; die Antwort folgte prompt. Aber nicht nur das, breitwillig erklärte sich Sepp bereit dazu, kurz mal bei uns im Büro vorbeizufahren und mir sein ‚Werk‘ persönlich zu überreichen. Gesagt getan. So folgte zudem ein persönliches Gespräch mit ihm, das mich noch mehr darin bestätigt hat, einen Menschen in diesem Jahr kennengelernt zu haben, der sein Herz nicht nur am rechten Fleck hat, sondern darüber hinaus – und über all die Jahre – wahrhaftig und in Hochs und Tiefs gelernt hat, was es heißt, wirklich Mensch zu sein, ohne etwas vorspielen zu müssen.

Menschen kommen und gehen, Musik kommt und geht, Geschichten kommen und gehen. Das alles war auch bei mir in diesem Jahr der Fall. Es kommen aber auch Menschen und Geschichten, die für immer bleiben. Sepp Haselsteiner ist so ein Mensch. Sein neuestes Werk ist so ein Werk. Weitab von künstlichem und oberflächlichem Getue und (Selbst-) Darstellung, was man gar nicht ist.

Ich für meinen Teil freue ich jetzt schon riesig, den Sepp Haselsteiner – ob alleine unterwegs oder mit Band – wieder live miterleben zu können; all die Geschichten und all die tollen Songs, die man auf diesem neuen Album vorfindet – und noch viel mehr.

Ich finde den Titel Si’s wia’s is übrigens keine Kapitulation vor dem (eigenen) Leben. Vielmehr sollte uns damit einmal mehr bewusst werden, dass wir Dinge, die Gestern waren und somit der Vergangenheit angehören, sowieso nicht mehr (ver-) ändern können. Aber wir können jeden Tag auf’s Neue aufstehen und es besser machen. Richtig machen. Im Sinne eines Ganzen. Im Sinne von uns Menschen.

Sage meinen Dank, Sepp! Groß!

(Bild: via sepp-haselsteiner.de / Copyright by Karin Haselsteiner)

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